Immobilienwirtschaft: Gebaute Welt für Menschen von morgen

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Gefahr oder Luxus aus dem Wasserhahn? Wie sauber ist unser Trinkwasser?

Leitungswasser ist das am besten untersuchte Lebensmittel. Überall in Deutschland kann man es bedenkenlos trinken. Das ist die weit verbreitete Meinung. Seit der Novellierung der Trinkwasserverordnung mit der Pflicht, Proben zu nehmen, ist ein Jahr vergangen. Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor und geben Auskunft über Blei und Legionellen im Trinkwasser.

"Auf die Hausverwaltungen sind nach der Novellierung der Trinwasserverordnung viele neue Aufgaben zugekommen", sagt Doris Wittlinger, Geschäftsführerin der Hausverwaltung Stöben Wittlinger in Hamburg. "Anfangs herrschte große Unklarheit. Welche Häuser sind überhaupt betroffen? Wer zieht die Proben, welche Labore nehmen die Untersuchungen vor und was ist zu tun, wenn auffällige Werte gemessen werden? Inzwischen liegen erste Ergebnisse vor, die aufhorchen lassen."

Wie groß die Gefahren tatsächlich sind, weiß Bastian Horst von der Objektus GmbH in Hamburg. Er hat sich auf Trinkwasserhygiene spezialisiert und inzwischen mehr als 5.000 Liegenschaften überprüft. "Fachleute waren davon ausgegangen, dass bei den Untersuchungen der rund zwei Millionen Liegenschaften in Deutschland in vier bis fünf Prozent Auffälligkeiten festgestellt würden. Doch die Erfahrungen im ersten Jahr haben ergeben, dass es zwischen 17 und 20 Prozent sind", berichtet Bastian Horst. "Wir hatten Fälle, in denen statt der maximal erlaubten 100 Legionellen in 100 ml Wasser 115.000 Legionellen festgestellt wurden."

"Solche alarmierenden Ergebnisse lösen eine ganze Lawine von Handlungsvorgaben aus: Mieter und Gesundheitsamt müssen informiert, ein Maßnahmenkonzept muss entwickelt und für den sofortigen Schutz der Bewohner müssen Vorkehrungen getroffen werden", erläutert Doris Wittlinger.

Je nach Schwere des Befalls können drei Monate bis drei Jahre vergehen, bis die Wasserversorgung eines Hauses einwandfrei ist. Zu den Erstmaßnahmen gehört die Aufklärung: Auf jeden Fall ist das Trinken von mit Legionellen verseuchtem Wasser weniger bedenklich als das Duschen, bei dem erst durch die Vernebelung Bakterien in die Lunge gelangen und dort die gefährliche Legionärskrankheit auslösen können. Bei hohen Grenzwertüberschreitungen müssen sogar Duschköpfe mit einem Legionellen sicherern Filter eingebaut werden.

Anders ist es mit Blei im Trinkwasser. Seit 2003 wurde der Grenzwert immer weiter gesenkt. Seit 2013 liegt er bei 0,010 mg pro Liter. Das ist so wenig, dass oft gar nicht die berüchtigten Bleirohre die zu hohen Werte verursachen, sondern auch die Armaturen zur Überschreitung der Grenzwerte beitragen. Bereits kleinste Mengen Blei können zur einer Bleivergiftung führen, einer schwerwiegenden Erkrankung mit Schädigungen des Nervensystems und des Gehirns.

Die Sanierung des Wassersystems eines Gebäudes, in dem zu hohe Bleiwerte gemessen wurden, ist aufwändig und teuer. In Frage kommen auch hier Filteranlagen oder eine komplette Erneuerung des Rohrleitungssystem. Um eine, dem Problem angepasste Lösung zu finden, ist es ratsam eine Schwachstellenanalyse durchzuführen, entweder an Hand einer Gefährdungsanalyse oder mittels eines Trinkwasser-Hygiene-Checks. Dadurch erhält der Gebäudeeigentümer Planungssicherheit für die durchzuführende Sanierung.

Die Hausverwalterin Doris Wittlinger rät: "Mieter und Eigentümer sollten sich im Ernstfall eng mit ihrer Hausverwaltung über die notwendigen Maßnahmen abstimmen. Häuser, die älter als 50 Jahre sind, fallen in die Risikogruppe. Denn bis in die Siebzigerjahre hinein wurden noch Bleirohre verbaut. Noch ältere Häuser können problematisch sein, wenn durch Umbauten unübersichtliche Leitungssysteme entstanden sind". Bastian Horst ergänzt: "Leitungsabschnitte, die wenig oder gar nicht mehr genutzt werden, sogenannte Stagnationsleitungen, tragen wesentlich zu den Überschreitungen der Grenzwerte für Blei und Legionellen bei."

Der auf Trinkwasserhygiene spezialisierte Bastian Horst empfiehlt: "Auch wenn die Trinkwasser­verordnung 2012 entschärft wurde und Hauseigentümer die Beprobung auf einen Rhythmus von drei Jahren umstellen dürfen, empfehle ich in den ersten drei Jahren die jährliche Beprobung und erst danach bei unauffälligen Werten die Umstellung auf einen längeren Intervall".

Der Wasser­verbrauch je Einwohner und Tag lag in Deutschland 2010 bei 121 Liter, das entspricht ungefähr einer Badewannenfüllung. Je nach Jahreszeit transportieren zum Beispiel allein die Wasserwerke Hamburg jeden Tag zwischen 250.000 und 400.000 Kubikmeter Wasser unterirdisch in einem Rohrleitungsnetz von rund 11.000 Kilometer Länge zu den Verbrauchern. Der Gebäude­eigentümer muss, vielleicht anders als in der Vergangenheit, ein besonderes Augenmerk auf die eigene Trinkwasseranlage richten. Sie ist der Aufbewahrungsort unseres Trinkwassers und muss technisch, mikrobiologisch und chemisch unter Kontrolle sein.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes fließt aus den Wasserhähnen in unseren Haushalten überwiegend Grund- und Quellwasser von hoher Qualität. Das ist ein Luxus, der längst nicht überall auf der Welt so selbstverständlich zur Verfügung steht wie in Deutschland. Damit das so bleibt, sind Kontrollen und – wo notwendig – geeignete Maßnahmen zum Schutz vor Verunreinigung notwendig, damit Leitungswasser weiterhin bedenkenlos als Lebensmittel geeignet ist.